Geschichte unsers Corps

Politisch war die Mitte des 19. Jahrhunderts von Unruhen und Instabilität geprägt. Nach dem Revolutionsjahr 1848 war die Obrigkeit bestrebt, ihre Stellung zu festigen und aufkommende Opposition möglichst im Keim zu ersticken. Dagegen formierten sich jedoch zunehmend die Studenten in Verbindungen, welche freiheitlich, basisdemokratisch und von fortschrittlichem Gedankengut geprägt waren.

Am 20. Oktober 1848 haben sich in 20 Studenten des damaligen Polytechnikums – heute Universität Hannover -, die Schleswig-Holstein stammten, in Alberti’s Kaffeehaus zum Schleswig-Holsteinischen Verein zusammengeschlossen. Ihr Ziel war es, sich enger aneinander zu binden, gemeinsam erfolgreich zu studieren und für mehr Freiheit und Demokratie zu kämpfen. Daher kommt auch unser Wahlspruch Fides-Libertas-Unitas.

Mit dem "Schleswig-Holsteinischen Verein" waren sie in mehrfacher Hinsicht schon damals ihrer Zeit weit voraus. Zum einen hatten sie die erste Studentenverbindung Hannovers gegründet und zum anderen gaben sie sich einen Namen, der als Bezeichnung für ein Bundesland erst nach dem zweiten Weltkrieg entstand. Besonders die Wahl der Farben „blau-weiß-rot“, die wir seit dieser Zeit tragen, war wegweisend, denn diese Farben sind erst seit 1947 offiziell die Landesfarben Schleswig-Holsteins. Am 18. November 1852 beschloss der Convent "in feierlich gehobener Stimmung" die Umwandlung zur Landsmannschaft Slesvico-Holsatia (Schleswig-Holstein latinisiert, wie damals üblich).

Im Frühjahr 1863 gründeten 12 Corps aus den vier Hochschulstandorten Karlsruhe, Hannover, Stuttgart und Zürich in Frankfurt einen allgemeinen SC (SC=Senioren-Convent), welcher nach seinem ständigen Tagungsort Weinheim Weinheimer ASC, seit 1875 Weinheimer SC, kurz WSC, genannt wurde. Am 18. Juni 1869 ist die Landsmannschaft Slesvico-Holsatia dem WSC beigetreten und wurde damit zum Corps Slesvico-Holsatia.

Zum 39. Stiftungsfest 1891 wurde das Corpshaus in der Bergmannstraße 4 bezogen. Zwanzig Jahre später wurde beschlossen, aus Platzgründen ein neues Haus zu bauen, das zum 65. Stiftungsfest 1917 an der Nienburger Straße/Ecke Wilhelm-Busch-Strasse eingeweiht wurde. Bedingt durch den 1. Weltkrieg kam das Corpsleben zum Erliegen, da alle Aktiven, bis auf einen, an die Front verpflichtet wurden.

Die nächste schwierige Zeit für unser Corps ließ nicht lange auf sich warten. Der Nationalsozialismus ist auch an uns nicht spurlos vorbeigegangen. Letztendlich setzte sich die Erkenntnis durch, dass unter den gegebenen politischen Verhältnissen und dem äußeren Druck, dem die Corps ausgesetzt waren, wir unsere demokratischen und liberalen Grundsätze nicht aufrechterhalten konnten. Daher entschloss sich das Corps am 21. Oktober 1935, das Corps mit Wirkung vom 18. November 1935 zu suspendieren, um einer Zwangsauflösung zuvorzukommen. Das Corps war damit aufgelöst.

Den anderen Corps in Hannover erging es nicht anders. So entschlossen sich die Altherrenschaften der Corps Saxonia, Ostfalia und Slesvico-Holsatia, zum Sommersemester 1938 die Kameradschaft XI zu gründen, aus welcher im Januar 1941 unsere Kameradschaft "Paul von Hindenburg" hervorging. Mit der Besetzung Hannovers und dem Verbot der Kameradschaften, endete auch die Kameradschaft "Paul von Hindenburg" im Jahre 1945.

Im Jahre 1949 gründeten die Corpsbrüder den studentischen Verein Slesvico-Holsatia. Am 18. Juni 1950 wurde auf dem FCC (=Feierlicher Corpsburschen Convent) die Aufhebung der Suspension des Corps beschlossen. Damit begann für uns wieder ein engagiertes Verbindungsleben, das immer unser Merkmal war und bleibt. So konnten wir dann auch 2002 erfolgreich unseren 150. Geburtstag begehen.

 
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